Hochzeiten

Momentan ist hier Hochzeitssaison, ähnlich vergleichbar wie vermutlich im Juni und Juli in Deutschland. Allerdings sind hier eben alle Paare verheiratet und eine Beziehung außerhalb der Ehe fast nicht möglich, außer man ist sehr reich oder wohnt in sehr modernen Teilen einer Großstadt. Das Wetter ist insofern perfekt für die Hochzeiten, weil es eben gar nicht regnet und auch nicht sehr heiß ist, tagsüber so 25 Grad und nachts 10 Grad. Hochzeiten werden hier häufiger in riesigen Zelten, die aus Bambusstäben und großen Tüchern bestehen, gefeiert. Es gibt aber auch extra Häuser für Hochzeiten, die man mieten kann. Natürlich unterscheiden sich Hochzeiten hier sehr nach Stadt/Land Hochzeiten und nach Kaste und Einkommen. 

Ich war bis jetzt auf drei Hochzeiten in der Nähe von meinem Wohnort und bei einer in Kolkata, die aber alle muslimische Hochzeiten waren. Hier gehen Hochzeiten immer zwei Tage, der erste Tag am Wohnort der Braut und der zweite am Wohnort des Bräutigams. Am ersten Tag sitzen Braut und Bräutigam noch in getrennten Räumen und besonders der Braut werden sehr viele Geschenke überreicht, zu meist Saris, aber auch Geld oder Einrichtungsgegenstände. Mit jedem Besucher wird außerdem auch ein Bild gemacht. Zu den Hochzeiten werden meist 500 bis 1000 Menschen eingeladen, denn die Hochzeit ist für die Familie eine große Ansehenssache. Deswegen wird eben nicht gleichzeitig gegessen, sondern wer da ist kann sich in das große Zelt mit den Tischen setzen, in dem dann von einem für die Hochzeit bestelltes Personal in einem sehr schnellen Rhytmus erst ein Teller und eine Flasche Wasser überreicht wird. Dann kommt eine ganz bestimmte Reihenfolge vor Speisen, erst ein frittiertes Gemüsebällchen, dann Puri, eine Art Roti, und Gugni (gewürzte Kirchererbsen). Danach kommt der Hauptgang in Form von Chicken Byriani, Salat (Gurken, Zwiebeln und Tomaten gewürzt). Im Anschluss gibt es Tomaten Chutney ( süß, meist noch mit Datteln drin) und ein dünnes Brot, das für mich immer ein wenig nach Garnelenchips schmeckt und zum Nachttisch dann Roschgulla (typisches West Bengalisches süß) und noch ein kleines Eis. Danach wird der Gast schnell gebeten aufzustehen, weil sich schon die nächsten Gäste zum Essen hinsetzen. 

Durch die vielen Gäste ist es meist sehr voll und viele Gäste kommen auch nur fürs Essen und gehen dann wieder. Am zweiten Tag findet das ganze nochmal statt, nur das dann Braut und Bräutigam schon als verheiratete nebeneinander sitzen. Die eigentliche Hochzeit findet am Ende des ersten Tages statt und steht bei den Gästen meist nicht so im Mittelpunkt, hier werden auch Mann und Frau getrennt voneinander dreimal gefragt, ob sie heiraten möchten. Leider habe ich diesen genauen Ablauf noch gar nicht so sehr mitbekommen. 

Je nach Einkommen gibt es manchmal auch noch eine Band, die Musik macht und meistens gibt es noch abgesehen vom Essen Stände, an denen es Tee/Coffee oder noch andere Snacks gibt. Bei meiner ersten Hochzeit war ich bei einer in der Stadt und da war es dann auch so, dass die Hochzeit nur einen Tag war, weil die Location ganz unabhängig von den Wohnorten des Brautpaares war. Gewöhnlich ist es so, dass die Braut dann am zweiten Tag auch beim Bräutigam bleibt, denn die Frau zieht meist zur Familie des Mannes und kümmert sich später dann um die älter werdenden Schwiegereltern. 

Achja und die Hochzeiten sind meist arrangiert, das heißt, dass die Eltern eben den richtigen Partner aussuchen. Das klingt natürlich erstmal sehr fremd, je nach Beziehung zu den Eltern kann die/der jeweilige Tochter/Sohn natürlich auch die eignen Wünsche miteinfliessen lassen oder manchmal, wie bei der gestrigen Hochzeit, wird dann der künftige Partner auch schon vorher gemocht. Es gibt schon auch Beziehungen vor der Ehe, allerdings wird über die eher nicht offen gesprochen. Natürlich gibt es auch sogenannte „Love Marriages“, auch wenn diese eher seltener und dann auch eher in den liberaleren Großstädten gestattet sind. Dadurch, dass die Hochzeiten auf denen ich war arrangiert waren, ist die Atmosphäre sehr unterschiedlich zu denen auf denen ich in Deutschland war. Im Mittelpunkt steht eben nicht das Paar, dass den „glücklichsten Tag“ seines Lebens haben soll, sondern die Gäste und die Familie, die einen möglichst gelungenes und schönes Fest haben möchten. 

Bei meinen Beschreibungen der Hochzeiten möchte ich auch nochmal auf etwas hinweisen, was wir eben auch auf dem Zwischenseminar besprochen haben. Nämlich auf eine Broschüre namens „Mit kolonialen Grüßen“ herausgegeben von glokal e.V. (http://www.glokal.org/publikationen/mit-kolonialen-gruessen/), in der es darum geht das Bewusstsein dafür zu stärken, eben nicht wie es früher der Fall war die Werte, Kultur und „Normen“ des Globalen Nordens (Europa, USA, Australien, Japan), den Ländern des Globalen Südens aufzudrücken. Damit ist unter anderem gemeint, dass für die meisten Deutschen die arrangierte Ehe als irgendwie merkwürdig angesehen ist, dass aber nicht unbedingt falsch sein muss, nur irgendwie anders. Die Erklärung war jetzt nicht so genial und deswegen hat diese Broschüre 46 Seiten. Ich würde jedem von euch, der gerne und viel reist sehr aus Herz legen zumindestens mal reinzuschnuppern, und eigentlich auch sonst jedem. Für mich persönlich hat es nochmal einige Sicht- und Erzählweisen geändert und ich merke mittlerweile, wie wertend ich zum Teil einiges formuliert habe (natürlich ist das unumgänglich, aber sobald ist in die Richtung geht: bei uns ist alles genial und die müssen sich verändern/entwickeln, geht es eben sehr in eine kolonisierende Richtung). 

Hochzeit Nummer 2 Tag 2: Vom Blick vom Brautpaar: links der Eingang zum Essenszelt, geradeaus eine Bühne mit Musik

Hochzeit Nummer 2 Tag 2: das Essenszelt vom nahem 

Auf den beiden weißen Stühlen: Das Brautpaar bereits verheiratet.

Zwei meiner Arbeitskolleginnen bei NOSKK in schicken Saris

Beim Essen 1: in einem Haus extra für Hochzeiten bei Hochzeit Nummer 3

Auch beim Essen: im Vordergrund das Menü: Die einzelnen Speisen: Chicken Pakura, Butter Naan, Chicken Rejala, Chicken Byriani, Salad, Chutney, Papor, Roshgulla, Ice Cream, PashPash 

Der Tag vor der Hochzeit: Die Hände der Braut werden mit Mehndi (Henna) bemalt. 


Die gestrige Hochzeit: Unsere eigenen Saris sind nicht schick genug, deswegen bekommen wir solche. 


Unsere Freundin Sabina gestern an ihrem Hochzeitstag. Das Brautkleid ist häufig rot und viel Schmuck gehört meistens dazu. 

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