Bevor ich anfange…

…euch von einem wundervollen Urlaub, den ersten Rückblicken und Vorschauen und einigen anderen Erkenntnissen zu berichten, fange ich mit einem Teil des Tages an, welcher mir zur Zeit sehr viel Freude macht.

Und das ist das tägliche Fastenbrechen (Iftar), welches nach Einbruch der Dunkelheit und nach den Rufen des Imam, zelebriert wird. Nochmal zur Erinnerung: mein Dorf hier ist überwiegend muslimisch geprägt und auch Nari-o-Sishu Kalyan Kendra ist eine muslimische NGO, weswegen natürlich muslimische Feste hier besonders gefeiert werden. Deswegen ist momentan Ramadan, das heißt das die Muslime, die sich dafür entscheiden, einen Monat vom 27.5. bis zum 27.6. auf Essen und Trinken von Sehri bis Iftar verzichten. Es passt nicht ganz mit den Sonnenauf- und untergangszeiten und die Zeiten verändern sich auch innerhalb des Monats um ein paar Minuten. Bei den Imamen hier ist die Zeit ab der morgens nichts getrunken oder gegessen wird ca. 3:30 Uhr und abends das sogenannte Iftar um cirka 6:30 Uhr.

Zum Fastenbrechen werden Emmy und ich stets dazugeholt beziehungsweise bereiten es auch selbst für und mit unserer Hausmutter, die hier mit uns lebt und für mich mittlerweile wie eine Oma ist, vor. Wir waren aber auch schon bei einer Freundin und vorgestern wurde Iftar mit unserer NGO gefeiert. Besondere Freude macht mir das Ganze, weil es zu Iftar ganz viel Obst auf den Teller gibt und unsere Hausmutter vor dem Fastenbrechen betet und in witzigem und sehr süßem Englisch Emmy und mich ins Gebet einschließt. Heute hat sie uns auch einiges zu erklären versucht, zum Beispiel das sie mit einem Satz den ich leider vergessen habe, Allah darum bittet, dass das Essen nicht vergiftet ist.

Zu dem Feiern mit unserer NGO wurden unmengen von Wassermelonen, Mangos, Papayas und Äpfeln geschnitten. Dazu gibt es dann noch Gurken und Sproßen und sieht wunderschön bunt aus.

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Mir ist es besonders wichtig, diesen Post zu machen, weil sich in meinem Kopf in den letzten Monaten einige Aspekte ein wenig falsch oder anders vermischt haben und ich gerade durch meine große Freude über dieses täglich kleine Feste nochmals merke, wie dumm meine Gedanken doch waren. Ich lebe in einer dörflichen Gegend in Indien und genauso wie es auch zum Teil in Deutschland der Fall ist, ist das Leben und Denken zwischen dem Dorf und der Großstadt deutlich verschieden. Allerdings habe ich den Eindruck, dass in meinem kleinen Ausschnitt Indiens der Kontrast irgendwie deutlicher zu spüren ist (allerdings habe ich in Deutschland noch nie auf dem Dorf gelebt, deswegen kann ich das nicht so richtig bewerten). Leider habe ich viele Eindrücke, die mir, im Vergleich zum Freiheitsgefühl, welches ich aus Deutschland kenne,  ein wenig freiheitsraubend vorkommen/vorkamen, gesammelt. Das sind zum Beispiel Aspekte wie, dass Frauen nach 10 Uhr abends eher nicht vor die Tür gehen, die eher geschlossene Kleidung oder das angestart werden und wenig anonym seien, wenn ich vor die Tür gehe. Mittlerweile würde ich sagen, dass diese Aspekte für ein indisches Dorf zur Normalität gehören, beziehungsweise auch einfach schützen sollen. (Zumindestens nachdem, was ich so überall aufgenommen habe). Irgendwann, in den letzten Monaten, habe ich diesen Frust darüber, fälschlicherweise auf die Religion übertragen. Und auch wenn ich darüber nie geschrieben habe, ist mir gerade im letzten Monat bewusst geworden, wie falsch das war und wie wichtig es mir ist, das mitzuteilen. Gerade auch wenn ihr woanders hinfahrt oder Neues kennenlernt, ist es wichtig, dass eben Aspekte, die ihr erlebt, anders im Zusammenhang stehen, als ihr das aufnehmen könnt.

So das war jetzt ein kleiner Abschnitt von vielem, was mir schon länger im Kopf rumgeistert und mir fallen jetzt auch noch einige ein zum Beispiel, dass ich auch unbedingt noch über Muslime in Indien an sich erzählen wollte, über Müll und ich als Frau in Indien auch, aber das sind auch irgendwie alles Themen, bei denen ich ganz viele Gedanken im Kopf habe, aber nie so ganz weiß, wie ich die halbwegs objektiv und so, dass meine Absicht klar daraus hervortritt, erzählen möchte.

 

So aus diesem Salat der Wörter, noch abschließend: Meine Mitfreiwillige Emmy hat eine mit langsamem Internet mühsam hochgeladene Sammlung Bilder unseres Urlaubs in ihrem Blog hochgeladen und auch wenn ich definitiv noch Bilder des Urlaubs selber posten werden, ist das hier schon ganz aussagekräftig. Also guckt euch gernen ihren Blog an:

einmalindien.blogspot.in

Und natürlich ganz liebe Grüße von mir aus West Bengal 🙂

Fangen wir doch mit dem Wetter an

weil das so ziemlich der einfachste Punkt auf meiner Schreibliste ist und auch der belangloseste. Es ist heiß und sonnig und sämtliche Wetterberichte berichten mir von Hitzewarnungen und Facebook sagt mir täglich, wie wunderschön ist, dass es 38 Grad ist und die Sonne scheint.

Um mal wieder anzufangen möchte ich unbedingt noch über zwei interressante Ereignisse aus der letzen Zeit berichten: Zum einen war sogar schon Mitte Februar die Veranstaltung One Billion Rising, eine weltweite Aktion die jährlich am Valentinstag gegen Gewalt und Ausbeutung von/an Frauen stattfindet. Dort haben wir beim Aufbau, der Werbung und der Integration von NOSKK mitgewirkt und es war ein wunderschöner Tag mit sehr vielen kulturellen Vorstellungen. Jetzt kommen hier noch ein paar Fotos zu dem Tag.

16730585_1257902607631686_6698894674537294978_nDer Platz von One Billion Rising 

Das zweite Ereignis war das in Deutschland mit Indien am meisten in Verbindung gebrachte Fest: HOLI

Holi wurde hier Anfang März gefeiert und ist ein Farbfest, dass den Frühling einläutet und in West Bengal zwei Tage im Hinduismus zelebriert wird. Emmy und ich waren sowohl Sonntag als auch Montag dabei und haben zuerst mit einer hinduistischen Freundin aus dem Büro bei ihr zuhause mit ihreren Freundinnen gefeiert. Zunächst sind wir zu ihren Verwandten und haben ihnen Happy Holi gewünscht und ihnen ein wenig Puderfarbe auf die Wange gestriechen. Dafür wurden wir gesegnet und dann ging das eigentliche mit Farbe herumwerfen los und so wurde jeder Vorbeifahrende mit Puder oder Wasserfarbe beworfen und wir haben mit den kleinen Kindern eines benachbarten Hauses eine kleine Farbschlacht angefangen und waren irgendwann sehr bunt. So ging das den ganzen Vormittag, wobei ich besonders erstaunt war, dass dann auch plötzlich um 14 Uhr alles vorbei war und direkt auch schon angefangen wurde alles zu waschen und dann war der erste Holitag dann auch vorbei.

Am zweiten Holitag sind wir mit einer auch durch NOSKK kennengelernten Freundin Beni zu einem Kinderheim, um mit ihnen ein wenig Holi zu feiern. Da poste ich am besten einfach ein paar Bilder.

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Hier mit Beni, einer mittlerweile sehr guten Freundin

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Mit Momitas Freunden am Sonntag

 

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Tag 2: Im Kinderheim

Was mache ich die restliche Zeit?

Natürlich wirkt das jetzt so, als gäbe es hier immer Feste und so etwas. Aber auch Holi ist schon fast einen Monat her. Tatsächlich würde ich häufiger auch das Wort Alltag in den Mund nehmen um die Zeit hier so beschreiben, es gibt schönere Tage und weniger schöne, aber die Wellen sind nicht mehr so groß und haben sich schon deutlich an Schulalltage, die ich noch aus Deutschland kenne angepasst. Trotzdem, und das ist wirklich mit der größte Unterschied, merke ich, dass viel mehr Zeit habe und meine Handlungen und Tagesaktivitäten mehr reflektiere. Irgendwie scheint mir die Zeit langsamer zu verstreichen. Momentan mache ich sehr viel Büroarbeit, die zwar sehr hilfreich, aber eben auch manchmal nervig ist – ich möchte wirklich später nicht den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen. Vielleicht hatte ich es auch schon mal erwähnt, aber das Büro hat leider keine Fenster oder frische Luft, was irgendwann doch ganz schön anstrengend ist und ich am Ende häufig einen dicken Kopf habe.

Ein Blick in die Zukunft

Fast 3/4 meiner Zeit sind nun schon verstriechen und deswegen werde ich euch ein wenig über das noch kommende und besonders natürlich meine weiteren Pläne berichten. Durch das weltwärts Program hatte ich meinen Rückflug nämlich schon im Oktober buchen müssen und fliege nun am 24.7. morgens zurück, also habe ich hier noch 3 1/2 Monate. Ich werde aller Wahrscheinlichkeit im Oktober anfangen zu studieren, wobei ich bei dem was noch zwischen Jura, Sozialer Arbeit und Philosophie stehe. Für die Zeit hier ist noch ein größerer Urlaub mit Emmy im Mai nach Rajasthan geplant. Außerdem würde ich hier gerne noch einige Berichte beenden und fertig machen und noch viel Zeit mit den ganzen tollen Kindern verbringen. Auch wenn ich natürlich die restliche Zeit hier auf keinen Fall missen möchte, so gibt es doch auch gerade viele Freiheiten und Menschen auf die ich mich zuhause sehr freue. Genau deswegen muss ich mich auch immer ein wenig bremsen nicht zu sehr in der Zukunft zu leben.

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Habe ich schonmal erwähnt, dass hier sehr viele Bilder besonders Selfies gemacht werden? Irgendwann kam mir eher eine Abneigung gegen Bilder …

 

 

 

 

 

 

Urlaub – Kerala

Nachdem mein Blogeintrag aus irgendwelchen Gründen nicht gespeichert wurde, fange ich nochmal an.

Wie ich schon erwähnt hatte, kam mein Vater für zwei Wochen zu Besuch und traf am 15. Februar ein. Ersteinmal verbrachte er zwei Tage bei NOSKK, um sich ein kleines Bild von meinem Leben dort zu machen. Selbstverständlich wurde er auch von Rahima und dem NOSKK Team überschwänglich herzlich begrüßt.

Danach ging es in meinen 2. Indienurlaub nach Kerala, einem Staat im Südwesten Indiens. Genauergesagt flogen wir 4 1/2 Stunden und 2.300 Kilometer einmal diagonal auf die andere Seite Indiens, um dort in Kochi zu landen und nach acht Tagen vom sehr südlich gelgenen Trivandrum zurück zu fliegen.

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Das alte Kochi, Fort Kochin, ist ein Stadtteil, der eine lange Geschichte aufweist. Zunächst wurde Kochi von Holländern, später dann von Portugiesen und Engländern, besetzt. Dort fanden wir ein sehr schönes und grünes Homestay (Homestays sind familienbetriebene kleine Pensionen, die meist 3/4 Zimmer haben und gerade in Kerala sehr beliebt sind) und hatten das große Glück, dass zur Zeit eine Biennale in Kochi stattfand. Deswegen waren sehr viele alte Lagerhallen und andere Häuser in kleine Museen umdekoriert wurden, die sehr verteilt zu finden waren und sehr kunstvoll und informativ ausgestattet waren. Fort Kochin hat, auch wenn es sehr touristisch ist, eine sehr gemütlich Atmosphäre und erinnert an der ein oder anderen Ecke wirklich an Holland.

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Danach ging es mit einem sechsstündigen Bus vom Meer in die Berge, die Western Ghats, auf 1600 Meter nach Munnar. Dort sind sehr viele bezaubernde Teeplantagen, die so weich aussehen, als könnte man sich reinlegen. Dort nahmen wir an einer Jeepfahrt teil, die schöne Aussichten, eine Palmzuckerfabrik, einen Sandelholzwald und Teefelder über Teefelder einschloss. Am Tag danach ging es dann wieder aus den Western Ghats runter ans Meer. Dort angekommen ging es noch weiter in den Süden nach Verkala, einem touristischem aber trotzdem sehr schönen Ort. Von dort verbrachten wir noch einen Tag auf einem Kanu und hatten noch Einblicke in die Züge, die in Kerala so fahren. Nach viel im Meer schwimmen und sehr viel genialer Natur und gutem Essen, ging es dann wieder zurück nach Kolkata.

 

Es war sehr spannend mal einen ganz anderen Teil von Indien kennenzulernen. Kerala ist sehr angenehm zu erreisen weil die unterschiedlichen Orte nicht so weit auseinander liegen, wie ich das aus meiner Reise mit meiner Mama in den Norden erlebt habe. Außerdem hat Kerala wirklich atemberaubende Landschaften und ein sehr angenehmes Klima. Dort hätte ich sicherlich auch 3/4 Wochen verbringen können, aber so ist das auf Reisen in Indien bis jetzt immer gwesen, ich sehe ein kleines bisschen und es geht schon wieder weiter. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann nach meinem Freiwilligendienst mal eine längere Reise machen zu können. Ein bisschen schade fand ich, dass die Sprache Malayalam in keinsterweise Bengali ähnelt.



Varkala, Kerala


 Die Backwaters
Danach gab es ein Wiedersehen mit Emmy und noch drei Tage in Kolkata. In Kolkata habe ich dann das erste mal das Eisenbahnmuseum und die Howrah Station erkunden dürfen und weiß jetzt, dass die erste Eisenbahnlinie Indiens 1857 doch tatsächlich, die ist die ich jeden Mittwoch nach Kolkata fahren. Außerdem habe ich natürlich noch die üblichen aber schönen Sehenswürdigkeiten wie das Victoria Memorial, den alten Friedhof, den New Market, die Howrah Bridge und den Blumenmarkt zeigen können.

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Kolkata, Der Hugly

 Nach einigen sehr europäischen und auch luxeriösen Tagen war es die ersten beiden Tage doch sehr merkwürdig wieder in NOSKK zu sein, weil ich häufig auch das Gefühl hatte ich würde mit meinem Vater mitzurückfliegen. Die letzten beiden Tage haben aber gezeigt, dass es für uns wieder sehr viel zu tun gibt und sehr lustig war es gestern, die erste wie nutze ich mein Smartphone sinnvoll Stunde zu geben.

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2. Zwischenbericht

Ich habe ja schon häufiger berichtet, dass ich für den weltwärts Dienst sowohl die Seminare besuche als auch Quartalsberichte schreibe. Mein zweiter Zwischenbericht beschreibt die Arbeit bei NOSKK sehr gut und deswegen dachte ich, dass ich ihn hier mal poste. Auch wenn, dass jetzt viel Text und keine Bilder sind, die kommen dann im nächsten Post wieder. Achja und der North Mill Market Eintrag sollte eigentlich erst am Sonntag erscheinen, aber das hat wohl nicht ganz so geklappt wie ich wollte. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag.

 

  1. Zwischenbericht: 2.Februar 2017

NOSKK, Indien                                                                               Caterina Karch

Die Arbeit bei NOSKK verändert sich immer noch wöchentlich. Mal steht plötzlich ein großes wichtiges Meeting an, in anderen Wochen sind mehrere Feiertage und die gesamte Routine mit den Kindern wird wieder über den Haufen geworfen. Neu ist, dass wir immer mehr von unseren Chefinnen eingespannt werden und auch von ihnen immer mehr der Wunsch kommt uns so gut wie möglich für die Arbeit hier zu nutzen. Daraus sind einige Pläne für die nächste Zeit entstanden: ein „How to use the smartphone for good“ Kurs, in dem wir besonders auf verschiedene sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten von Handys hinweisen sollen; die Veranstaltung der hier stattfindenden Bundesjugendspiele und für mich besonders interessant die Mitorganisation des One Billion Rising Tages, der Valentinstag mit Tänzen gegen Gewalt an Frauen. Wir haben uns neulich auch daran gemacht, die 2000 Visitenkarten unserer Chefin thematisch zu ordnen und zu digitalisieren. Außerdem ist der Plan die Fotos der Webseite zu verbessern und noch einen kleinen Film über NOSKK zu drehen. Es ist eher so, dass ich mir Sorgen mache, nicht alles zu schaffen, was ich mir noch für die noch nicht mal mehr sechs Monate vorgenommen habe. Wir gehen an vier Tagen der Woche vormittags in die zwei Schulen und haben uns nochmal mit einem der Schulleiter unterhalten, der uns erklärte, dass wir eine Art kreativen Vorzeigeunterricht gestalten sollen, der die anderen Lehrer inspirieren soll. Daraus ist die Idee entstanden das Konzept der Waldorfschule an einem Tag in Grundzügen zu erklären, um Denkanstöße für andere Unterrichtsmethoden zu geben. Mittags geht jeder der Mitarbeiter hier eher seinen eigenen Aufgaben nach, aber ab 17 Uhr scheint sich hier die Atmosphäre meist so zu verändern, dass die meisten großes Interesse an Gesprächen haben und einige kleine schöne Unterhaltungen geführt werden. Nach unserem Zwischenseminar hatten wir mit unser Chefin ein Halbzeitmeeting, in der wir sie auch um Feedback gebeten haben und das war schon beeindruckend, wie viel positives und auch sehr reflektiertes sie über unsere Arbeit gesagt hat. Während unserer Chefinnenkreis zwar nett, aber häufig eben auch sehr beschäftigt ist, haben Emmy und ich mit zwei jüngeren Mitarbeiterinnen schon sehr schöne Freundschaften geschlossen und die eine letzte Woche zu einem Kolkatatag eingeladen und die Tage danach ihre Hochzeit miterlebt. Ein sehr herzlicher Kontakt ist mit meiner Hausmutter und den zwei anderen Köchinnen entstanden, die uns schon als Teil der Familie sehen. Gerade bei unserer Hausmutter ist es allerdings ein wenig schwierig, weil sie meint uns erzählen zu müssen, dass sie nichts gegessen hat als wir auf dem Zwischenseminar waren. Sie sieht uns wirklich wie ihre eigenen Töchter, selbstverständlich ist das wunderschön, aber für mich auch belastend, wenn sie sich nicht um sich selber kümmert sobald wir weg sind.

Ich hoffe für die nächste Zeit wirklich die vielen Ideen noch Umsetzen zu können und am Ende für NOSKK eine hochwertige Broschüre und ein Werbevideo erstellt zu haben. Natürlich ist das Bengali perfektionieren auch immer noch ein wichtiger Aspekt für mich, den ich gerne noch weitervertiefen würde, um noch spannendere Gespräche führen zu können.

North Mill Markt

ist die nächstgelegene Einkaufsstraße, die von uns 15 Minuten Fußweg entfernt ist. Markt ist nicht unbedingt wie bei uns ein Wochenmarkt, sondern einfach eine Straße oder Gegend mit vielen Geschäften. Diese hat ihren Namen von der Jute Mill Fabrik, die dort viele hier lebende Menschen beschäftigt. Fast jeden zweiten oder dritten Abend fahren Emmy und ich dort mit dem Roller oder den Fahrrädern hin um besonders Obst aber auch seit neuestem Gemüse zu kaufen. Es wird immer noch für uns gekocht, aber mittlerweile wurde verstanden, dass wir am besten Wissen welches Gemüse wir mögen. Gemüse und Obst bekommen wir dort seasonabhängig: Durch die kühlen Nächte und trockenen Tage gibt es gerade besonders viele und große Kohlsorten und wir haben zur Zeit Mandarinenseason. Besonders freue ich mich auf Mai, weil dann die ganzen Mangos reif sind. Die Mango ist die Nationalefrucht Indiens und bei fast jeder Stunde, in der ich in Englisch Früchte durchnehme, kommt „My favourite fruits are mangoes“. Diese Geschäfte haben meistens morgens von 11 bis 13 Uhr und dann wieder von 17 bis 21/22 Uhr auf. Deswegen fahren Emmy und ich meistens um 18 Uhr nach dem Ende unserer Arbeit hin und gegen 19 Uhr ist dort am meisten los. 

Sonst gibt es auch noch ganz viel anderes zu kaufen. Es gibt drei Bengalische Süßigkeiten Geschäfte (Bengalisches süß ist in ganz Indien bekannt und in Varanasi gab es ein Bengalisches Süß Geschäft, für mich sind die meisten Sachen zu süß), einige Fahrradreparaturläden, einige Schuhläden, ein paar Friseure, ein Motorradgeschäft, ein/zwei Schneider und noch ein paar Geschäfte, die von Kinderspielzeug bis zu Shampoo einiges anbieten. 

In dem Umkreis gibt es noch einige Marktstraßen, wenn wir etwas wie Saris brauchen, fahren wir mit dem Roller entweder zum Fort Gloster Markt oder zum Bauria Markt (am Bahnhof). Am Bauria Markt gibt es auch ein Kino und eine Kirche und sonst zum Teil eine größere Auswahl. 

Links ein Schneider und rechts ein (Herren)Friseur 

An diesem Obststand sind wir Stammgäste und kaufen dort bestimmt jeden 3. Abend ein. 

Links der Gemüsehändler unserer Vertrauens und rechts ein kleines Kiosk, in dem hauptsächlich Pan(Blätter) verkauft werden


Der Eingang zu der Fabrik, die dem Markt den Namen gibt. 

Hochzeiten

Momentan ist hier Hochzeitssaison, ähnlich vergleichbar wie vermutlich im Juni und Juli in Deutschland. Allerdings sind hier eben alle Paare verheiratet und eine Beziehung außerhalb der Ehe fast nicht möglich, außer man ist sehr reich oder wohnt in sehr modernen Teilen einer Großstadt. Das Wetter ist insofern perfekt für die Hochzeiten, weil es eben gar nicht regnet und auch nicht sehr heiß ist, tagsüber so 25 Grad und nachts 10 Grad. Hochzeiten werden hier häufiger in riesigen Zelten, die aus Bambusstäben und großen Tüchern bestehen, gefeiert. Es gibt aber auch extra Häuser für Hochzeiten, die man mieten kann. Natürlich unterscheiden sich Hochzeiten hier sehr nach Stadt/Land Hochzeiten und nach Kaste und Einkommen. 

Ich war bis jetzt auf drei Hochzeiten in der Nähe von meinem Wohnort und bei einer in Kolkata, die aber alle muslimische Hochzeiten waren. Hier gehen Hochzeiten immer zwei Tage, der erste Tag am Wohnort der Braut und der zweite am Wohnort des Bräutigams. Am ersten Tag sitzen Braut und Bräutigam noch in getrennten Räumen und besonders der Braut werden sehr viele Geschenke überreicht, zu meist Saris, aber auch Geld oder Einrichtungsgegenstände. Mit jedem Besucher wird außerdem auch ein Bild gemacht. Zu den Hochzeiten werden meist 500 bis 1000 Menschen eingeladen, denn die Hochzeit ist für die Familie eine große Ansehenssache. Deswegen wird eben nicht gleichzeitig gegessen, sondern wer da ist kann sich in das große Zelt mit den Tischen setzen, in dem dann von einem für die Hochzeit bestelltes Personal in einem sehr schnellen Rhytmus erst ein Teller und eine Flasche Wasser überreicht wird. Dann kommt eine ganz bestimmte Reihenfolge vor Speisen, erst ein frittiertes Gemüsebällchen, dann Puri, eine Art Roti, und Gugni (gewürzte Kirchererbsen). Danach kommt der Hauptgang in Form von Chicken Byriani, Salat (Gurken, Zwiebeln und Tomaten gewürzt). Im Anschluss gibt es Tomaten Chutney ( süß, meist noch mit Datteln drin) und ein dünnes Brot, das für mich immer ein wenig nach Garnelenchips schmeckt und zum Nachttisch dann Roschgulla (typisches West Bengalisches süß) und noch ein kleines Eis. Danach wird der Gast schnell gebeten aufzustehen, weil sich schon die nächsten Gäste zum Essen hinsetzen. 

Durch die vielen Gäste ist es meist sehr voll und viele Gäste kommen auch nur fürs Essen und gehen dann wieder. Am zweiten Tag findet das ganze nochmal statt, nur das dann Braut und Bräutigam schon als verheiratete nebeneinander sitzen. Die eigentliche Hochzeit findet am Ende des ersten Tages statt und steht bei den Gästen meist nicht so im Mittelpunkt, hier werden auch Mann und Frau getrennt voneinander dreimal gefragt, ob sie heiraten möchten. Leider habe ich diesen genauen Ablauf noch gar nicht so sehr mitbekommen. 

Je nach Einkommen gibt es manchmal auch noch eine Band, die Musik macht und meistens gibt es noch abgesehen vom Essen Stände, an denen es Tee/Coffee oder noch andere Snacks gibt. Bei meiner ersten Hochzeit war ich bei einer in der Stadt und da war es dann auch so, dass die Hochzeit nur einen Tag war, weil die Location ganz unabhängig von den Wohnorten des Brautpaares war. Gewöhnlich ist es so, dass die Braut dann am zweiten Tag auch beim Bräutigam bleibt, denn die Frau zieht meist zur Familie des Mannes und kümmert sich später dann um die älter werdenden Schwiegereltern. 

Achja und die Hochzeiten sind meist arrangiert, das heißt, dass die Eltern eben den richtigen Partner aussuchen. Das klingt natürlich erstmal sehr fremd, je nach Beziehung zu den Eltern kann die/der jeweilige Tochter/Sohn natürlich auch die eignen Wünsche miteinfliessen lassen oder manchmal, wie bei der gestrigen Hochzeit, wird dann der künftige Partner auch schon vorher gemocht. Es gibt schon auch Beziehungen vor der Ehe, allerdings wird über die eher nicht offen gesprochen. Natürlich gibt es auch sogenannte „Love Marriages“, auch wenn diese eher seltener und dann auch eher in den liberaleren Großstädten gestattet sind. Dadurch, dass die Hochzeiten auf denen ich war arrangiert waren, ist die Atmosphäre sehr unterschiedlich zu denen auf denen ich in Deutschland war. Im Mittelpunkt steht eben nicht das Paar, dass den „glücklichsten Tag“ seines Lebens haben soll, sondern die Gäste und die Familie, die einen möglichst gelungenes und schönes Fest haben möchten. 

Bei meinen Beschreibungen der Hochzeiten möchte ich auch nochmal auf etwas hinweisen, was wir eben auch auf dem Zwischenseminar besprochen haben. Nämlich auf eine Broschüre namens „Mit kolonialen Grüßen“ herausgegeben von glokal e.V. (http://www.glokal.org/publikationen/mit-kolonialen-gruessen/), in der es darum geht das Bewusstsein dafür zu stärken, eben nicht wie es früher der Fall war die Werte, Kultur und „Normen“ des Globalen Nordens (Europa, USA, Australien, Japan), den Ländern des Globalen Südens aufzudrücken. Damit ist unter anderem gemeint, dass für die meisten Deutschen die arrangierte Ehe als irgendwie merkwürdig angesehen ist, dass aber nicht unbedingt falsch sein muss, nur irgendwie anders. Die Erklärung war jetzt nicht so genial und deswegen hat diese Broschüre 46 Seiten. Ich würde jedem von euch, der gerne und viel reist sehr aus Herz legen zumindestens mal reinzuschnuppern, und eigentlich auch sonst jedem. Für mich persönlich hat es nochmal einige Sicht- und Erzählweisen geändert und ich merke mittlerweile, wie wertend ich zum Teil einiges formuliert habe (natürlich ist das unumgänglich, aber sobald ist in die Richtung geht: bei uns ist alles genial und die müssen sich verändern/entwickeln, geht es eben sehr in eine kolonisierende Richtung). 

Hochzeit Nummer 2 Tag 2: Vom Blick vom Brautpaar: links der Eingang zum Essenszelt, geradeaus eine Bühne mit Musik

Hochzeit Nummer 2 Tag 2: das Essenszelt vom nahem 

Auf den beiden weißen Stühlen: Das Brautpaar bereits verheiratet.

Zwei meiner Arbeitskolleginnen bei NOSKK in schicken Saris

Beim Essen 1: in einem Haus extra für Hochzeiten bei Hochzeit Nummer 3

Auch beim Essen: im Vordergrund das Menü: Die einzelnen Speisen: Chicken Pakura, Butter Naan, Chicken Rejala, Chicken Byriani, Salad, Chutney, Papor, Roshgulla, Ice Cream, PashPash 

Der Tag vor der Hochzeit: Die Hände der Braut werden mit Mehndi (Henna) bemalt. 


Die gestrige Hochzeit: Unsere eigenen Saris sind nicht schick genug, deswegen bekommen wir solche. 


Unsere Freundin Sabina gestern an ihrem Hochzeitstag. Das Brautkleid ist häufig rot und viel Schmuck gehört meistens dazu. 

Same same but different 

Hallo 2017

Am 3. Januar machten sich drei müde gestalten, halb schlaftrunken, in aller frühe zum Flughafen auf. 

Schon den Abend davor war es komisch gewesen NOSKK zu verlassen, um dann die Nacht in Kolkata zu verbringen, weil der Weg morgens von NOSKK zum Flughafen nicht machbar gewesen wäre. Dadurch, dass dem Team bei NOSKK unsere Reise nicht so unbedingt vor Augen gewesen war, waren sie ein bisschen überrascht und zum Teil auch etwas traurig, dass sich Emmy und ich auf den Weg machten. Vor den Augen der Menschen, an denen wir vorbeifuhren, schien es vermutlich sogar als wären wir auf dem Weg zurück nach Deutschland, mit zwei großen Taschen. Erst am 13. Januar würden wir wieder eintreffen, für einige der Kinder also eine halbe Ewigkeit. 
Nach einem netten Abend ging es dann ganz früh an den Flughafen und das ist schon irgendwie komisch, also zu fliegen, obwohl es nicht zurück nach Deutschland geht. Nach 2 Stunden Flug erreichten wir dann Hyderabad und irgendwie wirkte alles ein bisschen anders als wir es aus Kolkata kannten, vielleicht war es aber auch nur dieses Gefühl mal weit weg zu sein und etwas anderes zu erleben. 

Das Zwischenseminar, welches 5 Tage geht, war noch 4 Tage hin. Davor beschlossen wir einen kleinen Ausflug von Hyderabad nach Hampi zu machen, einem kleinen Touristendorf mit grandioser Natur. Emmy und Linus sind beide sehr erpicht darauf diese Strecke von 377 Kilometern mit dem Motorrad genauer gesagt mit einer Royal Enfield zu bewältigen. Also sind wir direkt vom Flughafen zu einem Motorradverleih gefahren und haben dort zwei Royal Enfields geliehen, mit denen es dann auch direkt losging. Leider war es dann aber schon ganz schön spät und erstmal aus dem Stadtkern zu entfliehen, kostete uns zwei Stunden. Aus diesem Grund beschlossen wir, die Reise doch nicht noch an dem Tag zurückzulegen, sondern uns noch ein kleines Hotel zu nehmen und früh am nächsten morgen aufzubrechen. 
Am nächsten morgen fuhren die 2 Räder mit den drei Personen los. Erstmal ziemlich lang auf einer Autobahn und dann, als wir die Hauptstrecke zwischen Hyderabad und Bangalore nach Westen verließen, auf einer sehr schönen kleinen Straße, die von Feldern gesäumt war. Auf der gesamten Strecke waren kaum größere Dörfer und es war alles sehr flach. Trotzdem wurde die Fahrt ganz schön lang und nach 8 Stunden kamen wir in Hampi an. Zwischendurch gab es immer wieder lustige und schöne Begegnungen und die große Überraschung, dass die eine Royale Enfield von einer Frau gefahren wird. Mir hat das Klima dort im Süden deutlich besser gefallen, denn es hatte viel von einem Urlaubstag in Spanien. In der Nähe von Kolkata ist die Wärme oft anstrengend und stickig, wobei das vermutlich auch an dem Smog der Stadt liegt.

Um 21 Uhr kamen wir in Hampi an: Hampi war vor 500 Jahren die Hauptstadt des Königreiches Vijayangar und hatte zu dem Zeitpunkt auch rund 500.000 Einwohner. Davon übrig geblieben sind sehr viele alte Tempel und Wohnhäuser, die über eine sehr große Fläche verteilt sind. Dazu kommen grandiose Felsformationen und ein kleiner Fluss. Außerdem eben ein kleiner Touristenorte mit 3.000 Einwohnern, der jede Art von europäischen Essen anbietet, also auch Lasagne, Continental Breakfast und andere Speisen, die ich sehr schön fand dort zu bekommen. Als wir um 21 Uhr aus dem völligen dunkel plötzlich vor dem riesigen Tempel standen, war das schon sehr beeindruckend und dann gab es erstmal sehr viel zu essen und ein sehr schönes Gästezimmer. Leider hatten wir dann nur noch einen vollen Tag in Hampi, den wir sehr entspannt verbracht haben und ein wenig die Gegend erkundet haben. Ich bin auch fest davon überzeugt nochmal dorthin zu kommen, da ich eh schon fest plane während des Studiums in Semesterferien nochmals eine längere Reise durch Indien zu machen, denn Indien ist viel zu groß, um es in vier/fünf Wochen Urlaub zu erkunden, zumal bei dem vergangenen Besuch meiner Mama und dem noch kommenden meines Papas ja auch das Zeigen von NOSKK und Kolkatas eher im Vordergrund steht. 

Die Stadt Hampi. 

Flug nach Kolkata (das sollte eigentlich ganz oben in den Text)


Früh am Morgen mit einem wunderschönen Blick über Hampi 

Nach 12 Stunden auf dem Motorrad alle ein wenig fertig. 

Hampi 

Continentales Frühstück


Hampi 
In aller Frühe (um 6 Uhr) am 6. Januar machten wir drei seltsame Gestalten uns wieder auf den Rückweg, nicht ganz bedacht bei dem frühen Aufbruch war die Kälte, die uns die ersten drei Stunden entgegenschlug. In den Wintermonaten wird es in den meisten Teilen Indiens zwar tagsüber auch über 25 Grad, allerdings kühlt es nachts bis zu 10 Grad runter. Dafür war es aber wunderschön zu sehen, wie es hell wurde. Nach 11 Stunden sind wir dann wieder in Hyderabad gelandet. Die Strecke war für einen Tag schon relativ lang und vor allem nicht besonders abwechslungsreich, weil das Gebiet Indiens aus vielen Feldern und sehr flacher Landschaft besteht. 

Am selben Abend ging es dann auch noch zu der Waldorfschule in Hyderabad, in dem das Zwischenseminar stattfanden. Außerdem trafen wir dann auch auf die Hälfte der Mitfreiwilligen in Indien, die andere hatte ihr Zwischenseminar 10 Tage später. Über die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners sind dieses Jahr ungefähr 50 Freiwillige ganz verteilt in Indien. So kamen wir von Pune, Madurai, Hospet, Kolkata und Hyderabad zusammen. Jeder schon mit drei bis fünf Monaten in seiner Einsatzstelle und mit einem Rucksack voller Geschichten, Erlebnisse und Gedanken, die natürlich erst einmal erzählt und ausgetauscht wurden. Das Seminar gehört bei einem Weltwärts Dienst verpflichtend, wie das Vorbereitungsseminar und das Nachbereitungsseminar und dir Zwischenberichte, dazu. In den fünf Tagen ging es hauptsächlich darum die bisherige Zeit zu reflektieren; Schwierigkeiten, die jeder so mitbringt zu verkleinern und insbesondere über die restliche Zeit im freiwilligen Jahr zu reden. Mir hat es gut getan, mal wieder mit vielen Menschen wirklich mit hundertprozentigen Sprachverständnis zu reden. Auch wenn es bei NOSKK zwar immer besser klappt, sich zu verständigen, ist das doch etwas anderes. Außerdem gab es sehr viel geniales Essen zum Beispiel echten Käse und Vollkornbrot und natürlich sehr viele schöne Begegnungen. 

Wie aus einer anderen Welt entschlüpft, ging es dann am 12. Januar mit sehr viel neuer Motivation wieder mit dem Flieger zurück nach Kolkata. In Kolkata gelandet überkam mich ein großes Gefühl von zuhause ankommen und ich habe diese Stadt mittlerweile sehr in mein Herz geschlossen. Diese Stadt hat für Touristen keine großen Sehenswürdigkeiten, aber durch die Mischung aus kolonialem Stiel, moderner Großstadt und einer Priese Chaos freue ich mich immer wieder mich durch die Straßen zu schlängeln und mit meinem Bengali die  Straßenverkäufer ins Staunen zu versetzen. Jetzt bin ich schon wieder über zwei Wochen zurück (Wahnsinn!). Gerade heute war ich auf meiner vierten Hochzeit hier und ich werde nochmal über Hochzeiten im allgemeinen Schreiben, ab nächsten Sonntag nehme ich mir, von einer Mitfreiwilligen inspiriert, vor jede Woche ein Bild mit einem kleinen Text über verschiedenes zu schreiben und natürlich über die Arbeit hier. 
Und hier noch ein paar Impressionen von den letzten zwei Wochen bei NOSKK: 


Emmy und ich – das erste mal mit selbstgebundenen Sarirs – an Emmys Geburtstag

Frohe Weihnachten 

Frohe Weihnachten! 
Ich merke zur Zeit, dass es mir immer schwerer fällt Blogeinträge zu schreiben. Dies hat einige Gründe: zum einen, weil es viel zu viel gibt über das ich schreiben könnte und zum anderen weil ich für einiges sehr weit ausholen müsste, damit es wirklich sinnig ist. Dementsprechend muss ich einfach mehr kleine Blogeinträge über die unterschiedlichen Aspekte, die mir im Kopf rumschweben, erstellen. 

Eine Sache, die mir in den letzten 5 Monaten sehr aufgefallen ist, ist das ich viel mehr hinterfrage. Jahrelang bin ich in Deutschland zur Schule gegangen und das war einfach so, weil ich eben mein Abitur haben wollte. Hier kann ich mir nach jeder Englischstunde, nach jedem Tag Holiday Camp und nach allen anderen Programmen immer überlegen, ob ich das für sinnvoll halte und wenn nicht dann ändere ich was daran. Außerdem glaube ich, dass ich hier noch nie einen „Alltag“ hatte. Irgendwie gibt es immer wieder was anderes: jetzt gerade war meine Mama da, dann sind wir jetzt im Holiday Camp beschäftigt und schon in einer Woche geht es zum Zwischenseminar! Darüberhinaus war natürlich durch Weihnachten auch alles wieder sehr anders. 

Also mein Heilig Abend hier in Indien: Die Tage davor war es schon ein wenig komisch, weil es eben tagsüber schon zwischen 25 und 30 Grad werden und weil sich hier sonst niemand auf Weihnachten „vorbereitet“ hat. Am eigentlichen Tag haben Emmy und ich den Tag mit sehr viel sehr lauter Weihnachtsmusik gestartet und sind dann gemütlich „rein gefahren“, also nach Howrah Station um uns mit Linus zu treffen. Nachdem wir dann noch ein paar Fröbelsterne (so Papiersterne) gebastelt haben, sind wir in so ziemlich den einzigen zu Deutschland vergleichbaren Supermarkt gefahren den es in Kolkata gibt, um für das Weihnachtsessen einzukaufen. Dazu muss ich noch hinzufügen, dass es hier bei NOSKK keinen Ofen gibt und Emmy und ich uns deswegen sehr auf etwas überbackenes gefreut haben. Deswegen gab es Lasagne und noch eine Auberginen/Tomatenpfanne unf Kartoffeln. Wir haben sogar so etwas wie Mozarella in diesem Supermarkt gefunden. Dann ging es zum Kochen und mit noch einer indischen Freundin von Linus ging es ans Lasagne-machen und auch noch Kuchen backen. Schlussendlich mit spanischem Rotwein und wirklich genialem Essen (ganz ohne Reis) verbrachten wir einen sehr schönen Heilig Abend. Natürlich hatte uns Indien zwischenzeitlich wieder ein bisschen eingeholt, da draußen eine Hochzeit unüberhörbar im vollem Gange war. Irgendwie hat genau das aber auch sehr gut gepasst. Am hier eigentlichen Weihnachten, dem 25. Dezember (wie eben auch in den USA und Großbritannien) haben wir dann eher weniger gemacht und sind aber abends noch in die christliche Kirche in Bauria gegangen, die sehr indisch geschmückt war und auch sonst eine sehr amüsante Erfahrung. 
Jetzt natürlich zum Holiday Camp: Das ganze Projekt funktioniert sehr gut auch wenn einiges im Aufbau ist. Außerdem ist es mal wieder so, dass am Anfang ganz viele Pläne vorhanden sind, wir dann aber nicht alles auf einmal machen wollten und jetzt merken, dass es nur noch 3 eigentliche Projekttage sind, bis wir uns in den Flieger nach Hyderabad setzen. Außerdem hatten wir am ersten Tag genau eine Teilnehmerin und zwischenzeitlich plötzlich 40. Auf solche Unterschiede muss man sich hier zwangsläufig einstellen. Die Kinder haben mittlerweile Ligretto und Biberbande ganz gut verstanden, schaffen es mittlerweile ohne Vorgabe etwas zu malen und wir haben sogar einmal Wikingerschach gespielt. Ich hoffe natürliche sehr, dass die Kinder  was von diesen Tagen mitnehmen. Einen Tag haben wir Masken gemacht, was sehr gut ankam und heute steht ein Clean the Environment Programm an, auf das ich mal sehr sehr gespannt bin. Zum genaueren Ablauf melde ich mich nochmal. 

Weihnachtsdekoration Kolkata 

Fertige Masken 

geschmückte Kirche 

Ganz viel Essen

Unser Weihanchtsbaum


Lasagne 🙂 

Erste Ferien 

Hallo ihr, 

Lange ist es mal wieder her und nun versuche ich ein paar Dinge aufzuholen. Meine Mama war die letzten zwei Wochen zu Besuch da, wir haben einen Deutschlandabend organisiert und gestern war meine kleine Geburtstagsfeier. 

Am 1. Dezember ist meine Mama für zwei Wochen gekommen. Die ersten 6 Tage war sie bei mir in der Einrichtung und danach sind wir noch 10 Tage gereist und zwar in den Norden: Zuerst nach Bodhgaya in Bihar und dann nach Varanasi in UP. 
Bodhgaya ist einer der wichtigsten Orte im Buddhismus, weil dort Buddha erleuchtet wurde. Es gibt dort einen sehr wichtigen Tempel und ganz viele Klöster. Außerdem sind viele Tibeter dort aber auch wirklich eine ganze Reihe von Europäern und Amerikanern, die Buddhisten sind. 

Dann ging es weiter nach Varanasi. Diese Stadt ist für Hinduisten die wichtigste Stadt besonders zur Totenverbrennung. Wer dort stirbt, dem werden wohl alle Sünden vergeben. Oder so in etwa. Auf jeden Fall ist die Atmosphäre am Fluss echt schön und lohnenswert und sich mit einem Boot über den Ganges fahren zu lassen, ist schon ein sehr einmaliges Erlebnis. Darüberhinaus genieße ich zum Teil Touristenorte, weil dort eben einiges so ist, wie jemand sich Indien vor der Reise vorstellt. Es gibt an jeder Ecke Lassis (und nicht nur die einfachen sondern die in allen Geschmacksrichtungen), es gibt überall so kleine „typisch“ indische Geschenke zu kaufen und ich entdecke immer wieder einen langzeitreisenden mit Rastalocken mit dem sich das ein oder andere witzige Gespräch ergibt. 

Ansonsten ist Varanasi genauso wie Delhi sehr anstrengend, weil jeder einem irgendwas verkaufen will oder einen irgendwo hinführen möchte, wo man gar nicht hinwill. Ich meine sogar, zumindestens auch mit Reiseführer, sagen zu können, dass die beiden Städte bezüglich dieses Problems am nervigsten sind. In Kolkata und besonders natürlich auf dem Land hier erlebe ich die Menschen als sehr hilfsbereit und erstmals freundlich eingestellt, während in Varanasi fast immer damit zu rechnen war, dass ich irgendwie abgezogen wurde. Natürlich muss auch daran gedacht werden, dass diese Stadt mit außnahme des Tajmahals das Hauptreiseziel der „Westler“ ist. 

Auf der Zugfahrt von Varanasi nach Kolkata hatten wir dann leider über 20 Stunden Verspätung auf Grund von dem vielen Nebel, der im Norden von Indien im Winter sehr stark ist. Deswegen mussten wir leider auch 5 Stunden nachts am Bahnhof warten. 
Demnächst berichte ich dann auch noch von meinem Geburtstag und von der Arbeit hier. Liebe Grüße und Frohe Weihnachten! Caterina
 

Delhi 

So jetzt kommen mal wieder eher Berichte: 

Ich war für drei Tage in Delhi und zwar letzte Woche. Das war eine ganz spontane Reise, die von unserer Chefin eingefädelt wurde. Sie nahm nämlich dort an einem Meeting, welches sich mit den SDGs (Sustainable Development Goals) beschäftigte, teil. 

https://sustainabledevelopment.un.org/

Dieses Meeting ging drei Tage und an zweien von den dreien nahmen wir teil. Auch wenn es zum Teil auf Hindi war, war es extrem spannend diese unterschiedlichen Chefs unterschiedlicher Hilfsorganisationen kennenzulernen. Auch kam einer von der UN der für Indien zuständig ist, dazu. Leider hatte ich nur den Eindruck, dass dieses Meeting wieder sehr von oben herab war und glaube ich nicht unbedingt für die Arbeit unserer Chefin wirklich hilfreich. 

Hingefahren sind wir übrigens mit dem Zug. Eine sehr angenehme Strecke, 17 Stunden mit dem Schlafwagen, in denen es reichlich Gutes zu essen gab und die Zeit sehr schnell umging. Gerade weil wir abends um 17 Uhr in den Zug stiegen und morgens um 10 ankamen. Auch zurück waren wir mit dem Zug unterwegs, leider dieses Mal dann mit einem anderen und in der Sleeper Klasse. Der Zug zurück war kein Express Zug und brauchte 24 Stunden und hatte dann noch 3 Stunden Verspätung, was irgendwann dann doch sehr unangenehm war. Ich habe mir im übrigen vorgenommen mich NIE mehr über Verspätungen der Bahn in Deutschland zu beschweren. Dieser Zug hatte 3 1/2 Stunden Verspätungen und es wurde nie auch nur erwähnt wieso und wie lange die Fahrt noch dauern wird. 

Und jetzt noch zu Delhi: 

Delhi kann ich nicht unbedingt als schön bezeichnen. Es gibt auf der einen Seite diese typischen Sehenswürdigkeiten, die jeder schon mal von Postkarten oder dergleichen gesehen hat. Lotus Tempel, India Gate, Red Fort, Humayens Thomb … und natürlich sind einige davon relativ beeindruckend, aber so ein richtiges Stadtgefühl beziehungsweise Altstadtleben habe ich nicht gesehen. Dazu kommt natürlich, dass Delhi einfach sehr weitläufig ist und an jeder Sehenswürdigkeit wirklich hunderte Menschen stehen, die einem was verkaufen wollen. Ich glaube, dass hat mich am meisten gestört. In kolkata sind die Einheimischen, wenn sie einen ansprechen, auf (meistens) eine sehr ehrliche Weise interessiert und neugierig und natürlich abgesehen von ein paar Ausnahmen haben sie keine finanziellen Absichten. In Delhi war es immer klar, dass die Einheimischen immer etwas wollten, beziehungsweise der Kontakt mit Einheimischen sehr viel schwieriger war. 

Ich glaube aber auch, dass ich mich einfach auch in Kolkata und den Charm der Stadt verliebt habe und mich dann sehr gefreut habe wieder zurück zu kommen. 

Delhi ist einfach auch doch eher so eine Weltstadt, die sich mit den unzähligen Geschäften nicht grundlegend von anderen Städten unterscheidet. 

Trotzdem hat es mir sehr gut getan mal woanders hinzukommen und einfach mal komplett rauszukommen und darüberhinaus haben wir noch Marit, eine andere Freiwillige die ich vom Vorbereitungsseminar kenne, getroffen. Das war auch sehr schön und es hat gut getan sich mal ein wenig auszutauschen. 

Es gibt glaube ich aber noch eine Sache, die einfach spannend ist zu erwähnen. Ganz plötzlich von ein auf den anderen Tag verkündete Modi, der PM Indiens, dass die 500 Rupien und 1000 Rupien Scheine nicht mehr gültig sind. Also er sagte es in einer Meldung um 21 Uhr und ab 24 Uhr verloren beide Scheine ihre Gültigkeit. 500 Rupien sind so 7€ und 1000 Rupien dann eben 14€. Es gibt ansonsten nur noch 10, 20, 50 und 100 Rupien Scheine. Also ist gerade der 500 Rupien Schein, vergleichbar mit der Wichtigkeit von 10€ und 20€ Scheinen in Deutschland. Danach beschloss er die Bankautomaten für 2 Tage zu schließen und danach an jede Person höchstens 2000 Rupien auszugeben. An dem Tag, an dem die Bankautomaten wieder geöffnet waren, warteten dann bis zu 200 Leute vor einem von ihnen und abends waren sie natürlich komplett leer. Das schlimmste daran ist, dass diese Maßnahme besonders die Armen trifft, weil sie natürlich eher kein Bankkonto haben und der Umtausch nur mit Bankkonto möglich ist. Außerdem haben alle Märkte schwere Verluste gemacht, weil plötzlich niemand mehr Bargeld hatte. Offiziell wurde diese Aktion durchgeführt, weil damit illegale Geschäfte und gefälschtes Geld eingedämmt werden sollen. 

Mich hat diese Aktion zum Glück nicht so sehr getroffen, auch wenn das genau an dem Tag verkündet wurde, an dem wir in Delhi ankamen. Gerade in Delhi ist das Karte zahlen sehr gut möglich. Nur der Transport war irgendwann schwierig, weil in den Totos natürlich nur Bargeldzahlung möglich war. Trotzdem ist ein bisschen nervig, weil ich bis jetzt noch kein Bargeld habe und auch so kleine Sachen wie Obstkaufen eher nicht möglich sind.